Die VEUKO als wohltönendes Instrument im europäischen Konzert
Von GDB • Mai 17th, 2010 • Thema: ZwischenrufWer in diesen Tagen von einem „Europäischen Konzert“ spricht, hat wahrscheinlich Ohropax in den Gehörgängen. Die Misstöne waren nämlich – wie wir alle wissen – unüberhörbar. Schließlich gilt (rein musikalisch versteht sich): Wenn in einem Orchester einer völlig daneben greift, kann er das ganze Stück schmeißen.
Deshalb war es für mich eine schöne Erfahrung, beim Jahreskongress der VEUKO im slowenischen Portoroz zu hören, dass wenigstens die Hafner aus den verschiedenen Mitgliedsländern durchaus unisono zusammenspielen. Das war vor allem daran zu bemerken, dass bei den vier Schwerpunktbereichen Marketing, Finanzen, Technik und Ausbildung alle ihre Hausaufgaben nach bestem Können erledigt hatten. Ich möchte an dieser Stelle auf nähere Erläuterungen gar nicht eingehen, weil darüber ohnehin in der nächsten KR – Ausgabe ausführlich berichtet wird.
Lassen Sie mich nur zwei Punkte herausgreifen, die mich während des Kongresses und danach besonders beschäftigt haben: Die Einschätzung der wirtschaftlichen Gesamtsituation zum Beispiel. Da zeigt sich denn doch ein deutliches West-Ost-Gefälle. Während bei uns und in jenen Mitgliedsländern, die schon vor der EU-Erweiterung zur VEUKO gehörten, die wirtschaftliche Lage als stabil eingeschätzt wird, sieht das bei unseren Partnern, die östlich von Triest, Bratislava und dem Erzgebirge leben, anders aus. Die Delegierten aus Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn berichten übereinstimmend, dass zumindest Anfang des Jahres das Geschäft ziemlich schlecht lief. Allerdings verbessere sich die Situation zunehmend. Wobei vor allem die Ungarn starke Hoffnungen in den Regierungswechsel setzen, der dort kürzlich stattfand.
Alle östlichen Nachbarn werden wohl noch Jahre brauchen, bis sie die Folgen ihrer 40jährigen Isolierung vom Rest der Welt überwunden haben. Das zeigte sich auch an dem zweiten Thema, das ich hier ansprechen möchte. Stichwort: Der europäische Hafnermeister.
Man mag es kaum glauben. Aber als Nachwirkung der früheren Zwangsbeglückung durch kommunistisch bedingte Vereinheitlichungen in allen Sparten kennen die davon betroffenen Kollegen keine fundierte Meisterausbildung, wie sie bei uns, in Deutschland, der Schweiz, oder Südtirol ganz und gar selbstverständlich ist. Dagegen muss man etwas tun. Nämlich etwas Ähnliches wie die Maßnahmen der „großen“ EU, die zusammensteht, um einzelnen Schwächeren zu helfen: Wir sollten für europaweit gültige Richtlinien einer soliden Meisterausbildung sorgen. Also so eine Art EU-Meister auch für Hafner schaffen. Bei anderen Handwerkern, die mit gewichtigem Material arbeiten, gibt es so etwas schon. Bei den Steinmetzen nämlich.
Die Aufgabe, für möglicherweise gleichartige Ausbildungsrichtlinien zu sorgen habe ich selbst übernommen, weil ich Aufgaben der Qualitäts- und Qualifikationsoptimierung als Kernaufgabe einer Verbandsführung ansehe. Abgesehen davon kann es nicht angehen, dass mangels fundierter Berufsausbildung und den damit verbundenen Zulassungen sozusagen Hinz und Kunz hingehen können und einfach damit anfangen Öfen zu bauen, wie das derzeit auch in einigen Mitgliedsverbänden der VEUKO noch viel zu oft geschieht.
Wolfgang Kippes





