Neuer Ärger rund ums Gas
Von marika • Nov 4th, 2009 • Thema: ZwischenrufSchon Ende Oktober hat es heuer bei uns winterliche Temperaturen gegeben. Das ist aus Sicht unserer Branche nicht schlecht „Für’s Geschäft“. Denn zum Beispiel trifft unsere Radiowerbung, die noch bis Mitte November läuft, auf offenere Ohren, als wenn es vor der Tür spätsommerliche Temperaturen hätte. Aber davon wollte ich eigentlich gar nicht berichten.

Vielmehr wollte ich darauf hinweisen, dass zugleich mit der Kälte auch die unverhohlene Drohung aus Russland kam: Kann sein, dass auch diesen Winter wieder der Gashahn zugedreht wird. Ministerpräsident Putin jedenfalls hat so früh wie noch nie die EU gewarnt, dass er erneut den Gashahn zudrehen könnte. Der Grund ist auch nicht neu: Wieder einmal gibt’s Probleme mit der Ukraine wegen der Bezahlung.
Das geht nun schon ein paar Jahre so und da helfen auch die Beteuerungen der heimischen Gasversorger nicht, dass genügend Reserven da seien. Vor allem ein Argument der Gaslobby zieht auch nicht mehr so richtig: Das als künftige Sicherheitsgarantie für die Versorgung der europäischen Union immer wieder so hoch gelobte „Nabucco“ – Projekt. Jene Pipeline, die uns ohne den Umweg über die Ukraine und unabhängig von Russland mit Erdgas versorgen soll.
Ende September hatte die beiden renommierten Professoren Gerhard Mangott und Stefan Schleicher von den Universitäten Innsbruck und Graz anlässlich einer Tagung massive Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Zuverlässigkeit von neuen Pipelines á la Nabucco geäußert. Beide hatten in ihren Vorträgen darauf hingewiesen, dass es viel zu viele Probleme mit der ausreichenden Förderung in den Ursprungsländern gibt. So würde das derzeit in Azerbaidschan und Turkmenistan verfügbare Gas bei weitem nicht reichen, um Mitteleuropa Versorgungssicherheit zu gewähren.
Auf den Punkt gebracht und damit für uns als wichtiges Argument für unsere möglichen Kunden zum „Hintersohrschreiben“ sind folgende Kernsätze (Zitat Prof. Mangott): „Das Grundziel von Nabucco, nämlich die Abhängigkeit vor allem von Russland zu vermindern, ist klar verfehlt und Exportverträge sind keinesfalls gesichert“. Noch pointierter formulierte Prof. Schleicher: „Eine drastische Reduktion des Gasverbrauches ist zwingend nötig. Überall dort, wo es ersetzbar ist, muss es auch ersetzt werden – vor allem im privaten Bereich“.
Das so meine ich, sollten wir in diesen kalten Tagen den Leuten mit warmen Worten sagen!
Wolfgang Kippes



