Kachelofenverband

Kommentar:

Von • Mrz 20th, 2009 • Thema: Feinstaub

Die Feinstaub-Chuzpe

Sie kennen bestimmt den bekannten Spruch: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Betrachtet man sich nämlich die unterschiedlichen Grafiken, Listen und Diagramme, die verkünden wer, was, wann, wie und warum (nicht) an Feinstaub-Emissionen beteiligt ist,

kommt man zu dem Schluss, dass es in ganz Europa nur „Nicht-Verursacher“ oder schlechtstenfalls „Kaum-Verursacher“ von Feinstäuben gibt. Man fragt sich: „Wo kommt er dann her – der Feinstaub?“ Zum Beispiel bei uns in Österreich. Alles nur Importe aus Tschechien, der Slowakei und Slowenien?

Nun für die Hälfte der bei uns gemessenen Mengen gilt das tatsächlich, weil der Feinstaub aufgrund seiner Leichtigkeit halt recht reiselustig ist. Die andere Hälfte aber ist unbestreitbar hausgemacht. Das Umweltbundesamt hat in seinem umfassenden Bericht zu der Thematik Ross und Reiter genannt. Die Analyse deckt sich mit allen Lobby-unverdächtigen Diagrammen zum Beispiel von deutschen Universitäten, Forschungsinstituten und den Umweltbehörden der Landesregierungen. Dort finden wir überall die gleiche Rangfolge derjenigen, die für Feinstaubemissionen verantwortlich zeichnen: Weit vorne die Industrie (35 Prozent) und der Straßenverkehr (20 Prozent), sonstiger Verkehr (13 Prozent) und mit elf beziehungsweise 12 Prozent Energiegewinnung und Kleinverbraucher. Dann folgt noch die Landwirtschaft, sonstige Produktionsprozesse sowie Schüttgüter und Deponien. In den Großstädten sieht das dann noch ein wenig anders aus – vor allem was unsere Klientel, also die so genannten Kleinverbraucher, die Kachelofenheizer nun mal sind, betrifft.

Wien etwa beziffert deren Anteil an Feinstaubemissionen auf neun Prozent, Berlin auf fünf, München auf drei und Linz gar nur auf ein Prozent. Kein Wunder in diesem Fall, denn dort ist eh an allem die VOEST schuld.

Dass solche Zahlen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich sind, verwundert nicht und ist demzufolge auch nicht übel zu nehmen. Allerdings erlaube ich mir eine Zornesfalte, wenn ich in dem Zusammenhang auf eine wirkliche Chuzpe stoße – wie sie sich die Auto – Lobby in Sachen Feinstaub herausgenommen hat. Rang zwei in der Verursacherliste hielten die Konzernherren wohl für imageschädigend und ließen darüber nachsinnen wie man sich hier ganz fein abstauben könne.

Was dabei herausgekommen ist, hat ausgerechnet der sonst wegen seiner konsumentenfreundlichen Hilfe schätzenswerte ARBÖ veröffentlicht. Es tauchte nämlich in der Austria Presse Agentur eine Grafik zu Feinstaubursachen auf, die alle anderen Listen auf den Kopf stellt: Als Hauptverursacher nennen die Motor- und Karosseriestrategen den Kleinverbraucher, gefolgt von der Industrie und der Land- und Forstwirtschaft. Autos rangieren erst auf Rang vier. Da kratzt man sich doch am Kopf und fragt sich: „Wie geht das?“

Ich werde es Ihnen verraten: Bekanntlich liegt der starke Anteil des Verkehrs an der Feinstaubschleuderei an zwei Komponenten: Partikel aus Dieselmotoren einerseits und Abrieb sowie Staubaufwirbelung durch alle Kraftfahrzeuge andererseits. Die beiden Grundprinzipien haben die PR-Profis erst einmal auseinanderdividiert und das ganze Kapitel Abrieb ersatzlos weggewirbelt. Damit fiel schon mal ein Batzen rund 25.000 Tonnen von der Gesamtbelastung – nämlich 47.250 Tonnen – weg. Bleiben etwa 22.200 Tonnen für alle Verbrennungsprozesse übrig.

Und jetzt kommen die nächsten beiden Hämmer: Unter dem Titel „Kleinverbraucher“ wurden nicht nur die Haushalte, sondern auch das Kleingewerbe subsummiert, das dann zusammen etwa 7.800 Tonnen Feinstaub beiträgt. Die verbleibende Großindustrie (hierzulande bekanntlich nicht sonderlich stark vertreten) emittiert rund 4.400 Tonnen, die Land-und Forstwirtschaft ist mit 2.800 Tonnen dabei. Jetzt halten Sie sich fest: um auf Platz vier zurückrutschen zu können, haben die Automobilisten in ihrer Grafik schlicht PKW und LKW getrennt!!!!

So liegen die beiden jetzt friedlich mit 2.500 und 2.400 Tonnen auf den Rängen vier und fünf – mit dem Effekt, dass der oberflächliche Leser angesichts eines solchen Diagrammes die Stirn runzelt und möglicherweise für sich beschließt, lieber nicht mit Holz heizen zu wollen. Die Bewertung derartiger PR-Aktionen überlasse ich Ihnen………

Dipl.Ing. Dr. Wolfgang Kippes

Präsident des Österreichischen Kachelofenverbandes

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